Review-Code für die Switch 2 Version von Square Enix erhalten
Ein Zelda-eskes Action-Adventure, das von Square Enix in Zusammenarbeit mit Claytechworks entwickelt wurde und im hübschen, von Octopath Traveler bekannt gemachten HD-2D-Look präsentiert wird? Count me in! Square hatte die Spendierhosen an und beglückte mich mit einem Review-Code für die Switch 2. So konnte ich direkt zum Release in die Rolle von Elliot schlüpfen und seine titelgebenden Abenteuer erleben.
Eine Reise durch Philabieldia
Elliot ist ein gutherziger Abenteurer, der keine Gefahr scheut und hilfsbereit durch Philabieldia, die Welt von The Adventures of Elliot, streift. Eines schicksalhaften Tages ruft ihn Hichard, König des Dorfes Huther, zu sich, da ganz in der Nähe Ruinen mit einem rätselhaften Mechanismus entdeckt wurden. Elliot soll sich dort gemeinsam mit Minister Kaifried umschauen und dem König Bericht erstatten – auch weil die Hoffnung besteht, dass die Entdeckung seiner Tochter Heuria zugutekommt. Diese schützt Huther mit einem kräftezehrenden Zauber vor den in der Wildnis lauernden Bestien.
In der Höhle entdecken Kaifried und Elliot eine Maschine, die es ermöglicht, durch die Zeit zu reisen und verschiedene Epochen von Philabieldia zu bereisen. Natürlich kommt es, wie es kommen muss, und ohne zu viel zu spoilern: Kaifried hintergeht Elliot und den König. Durch die Manipulation der Zeitlinien will er selbst zum Herrscher der Welt werden. Das können wir selbstverständlich nicht zulassen, und so beginnt eine Jagd durch die Zeit, die einen Haufen Überraschungen bereithält.

Die Story von The Adventures of Elliot konnte mich während meiner Durchläufe durchaus packen. Wir treffen auf viele sympathische Charaktere, bekommen eine spannende Prämisse geboten und erleben Twists, die vor allem gegen Ende auftreten und das gesamte Spiel auf den Kopf stellen. Fairerweise redet die Fee Faie, die Elliot begleitet, etwas viel und gibt zu jeder Situation einen Kommentar ab. Wahrscheinlich stand hier aber Navi aus Ocarina of Time Pate.
Zelda lässt grüßen
Spielerisch bedient sich The Adventures of Elliot ganz offensichtlich bei den Zelda-Spielen. Allein durch die Kameraperspektive sind Parallelen zu beispielsweise A Link to the Past nicht von der Hand zu weisen. Auch hier lauft ihr durch die Welt, erkundet Dungeons und Dörfer, sammelt Items und ergattert immer wieder neue Fähigkeiten, die euch an anderer Stelle weiterhelfen.
Die wohl herausstechendste Mechanik von Squares Adventure ist die Zeitreisefunktion. Elliot kann durch verschiedene Epochen von Philabieldia springen, um beispielsweise zuvor verschüttete Wege wieder begehbar vorzufinden. Das System ist in der Theorie auch interessant, allerdings wird meiner Meinung nach zu wenig daraus gemacht. Bis auf ein paar Ausnahmen erkundet ihr eigentlich nur immer wieder leicht veränderte Karten mit neuen Bereichen, die sich kaum voneinander unterscheiden.
Auch Entscheidungen, die den Verlauf der Geschichte und Zeit maßgeblich verändern, findet man kaum. Im Prinzip spielt ihr eine Handvoll derselben Karten, nur mit etwas anderen Assets. Das funktioniert zwar gut, aber hier wäre deutlich mehr drin gewesen.

Schwert, Bombe und Zauberkraft
Das Kämpfen geht gut von der Hand und ist intuitiv. Ihr könnt zuschlagen, blocken, aus der Ferne mit Bogen und Boomerang angreifen oder mithilfe von Faie Magie einsetzen. Das Arsenal ist vielfältig, am Ende hat es mich in 90 Prozent der Fälle aber doch immer wieder zur Kombination aus Schwert und Bombe gezogen. Die Bomben haben übrigens dieselbe Funktion wie in Zelda: Neben dem Einsatz als Waffe lassen sich damit auch versteckte Zugänge öffnen.
Wie eben erwähnt, unterstützt euch Faie mit ihren Zauberkräften. Neben einem klassischen Feuerzauber, mit dem ihr Fackeln entzünden könnt, findet ihr unter anderem auch einen Verdoppelungszauber oder die Möglichkeit, auf Knopfdruck sehr schnell zu rennen. Diese Fähigkeiten müsst ihr auch einsetzen, um Rätsel zu lösen.
Da gibt es beispielsweise zwei Druckplatten, die aktiviert werden müssen, um eine Tür zu öffnen, die euch weiter in den Dungeon führt. Da ihr aber nur ein Elliot seid, kreiert ihr im Handumdrehen einen Doppelgänger und habt so zwei Personen, die den Mechanismus bedienen können.
Die Rätsel in den Dungeons sind ganz nett, mutieren aber nie zu richtigen Kopfnüssen und sind oft eher Zeitfresser als eine wirkliche Herausforderung. Dadurch geht auch ein wenig das Gefühl verloren, sich über Erfolge zu freuen, weil es sich mehr nach Fleißarbeit anfühlt. Hier hätte ich mir etwas mehr Varianz und Ideenreichtum gewünscht.

Starke Bosse, aber zu wenig Abwechslung
Was mir hingegen sehr gut gefallen hat, waren die unterschiedlichen Bosse. Jeder Gegner hat eigene Angriffsmuster und verschiedene Phasen, die studiert werden müssen. Hier hätte man zwar noch mehr aus Elliots Inventar und Faies Fähigkeiten herausholen können, aber auch so waren das tolle Momente am Ende eines Dungeons.
Neben dem normalen Finale gibt es noch zwei versteckte Enden – und das ist für mich eines der größten Probleme von The Adventures of Elliot. Ohne viel spoilern zu wollen: Das Standardende ist das schlechteste der drei, das letzte dementsprechend das beste. Den schlechten Ausgang erhaltet ihr, wenn ihr lediglich die Questmarker abläuft und tut, was man euch aufträgt.
Für die anderen Enden müsst ihr hingegen die Welt erkunden, mit NPCs reden, Zeitreisen unternehmen und versteckte Items finden – all das, was ein gutes Abenteuerspiel ausmacht. Leider betrifft das aber nur noch einmal etwa drei Stunden Spielzeit. Den Rest der knapp 20 Stunden müsst ihr Marker für Marker folgen und dort eure Aufgaben erledigen.
Es wäre doch viel cooler gewesen, wenn man nach einer kurzen Einleitung direkt auf sich allein gestellt gewesen wäre. Faie könnte eventuell den einen oder anderen Hinweis fallen lassen, während man ansonsten nur durch Gespräche und die Umgebung immer weitere Fortschritte macht. Das Spielende wäre dann durch die eigene Ambition bestimmt worden, so viel wie möglich von der Spielwelt zu entdecken.
Genau das macht The Adventures of Elliot viel zu wenig. Erst auf dem Weg zum versteckten Ende, auf das manche Spieler vielleicht gar keine Lust mehr haben, wird euch das Zepter wirklich in die Hand gedrückt.
Davon abgesehen wiederholt sich über die gesamte Spielzeit hinweg einfach zu viel. Wie schon bei der Zeitreisethematik erwähnt, findet man in den verschiedenen Epochen immer nur leicht abgewandelte Karten. Die Dungeons haben fast immer denselben Aufbau und auch die Gegner gehören nicht gerade zu den abwechslungsreichsten. Wenn man das Spiel für das schlechte Ende schon so konzipiert, dass man ständig einem Questmarker hinterherrennt, hätte in Verbindung mit dem repetitiven Gameplay locker die Hälfte der Spielzeit gereicht.

Hübsches Abenteuer mit verschenkter Chance
Das ist schade, denn im Kern ist The Adventures of Elliot ein tolles Spiel. Die Mechaniken funktionieren allesamt super, der HD-2D-Look sieht klasse aus und die Geschichte ist spannend – nimmt aber vor allem erst durch das gute Ende richtig Fahrt auf. Leider wiederholt sich zu viel, und irgendwann stellt sich eher ein Gefühl des Abarbeitens als das einer echten Erkundung ein.
Fazit
The Adventures of Elliot hätte viel mehr sein können und hatte die Anlagen dazu bereits in seiner Suche nach dem versteckten Ende. Stattdessen kämpft und rätselt man sich durch immer wieder ähnliche Dungeons und Oberwelten und verspürt nur selten echte Entdeckungslust. Die Kämpfe und vor allem die Bosse lockern das ziemlich repetitive Gameplay aber immer wieder auf, sodass ich mit Elliot und Faie trotzdem meinen Spaß hatte. Nichtsdestotrotz wäre im Endeffekt deutlich mehr drin gewesen.
Bei der Bewertung habe ich ehrlich gesagt gehadert, mich dann aber doch für die schlechtere von zwei Auswahlmöglichkeiten entschieden. Das Potenzial war schließlich groß, wurde leider aber kaum genutzt. Eventuell bekommen wir ja irgendwann einen Nachfolger, der mehr Abwechslung bietet.

