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Was war eigentlich: The Suffering

by Patrick

Die sechste Konsolengeneration, insbesondere die PlayStation 2, gilt bis heute als eine der besten Anlaufstellen für Horror-Games. Silent Hill 2 und 3, Resident Evil 4, der Start der Fatal Frame-Reihe, Haunting Ground, Forbidden Siren, Obscure – man könnte die Liste wohl endlos weiterführen, auch wenn natürlich nicht jeder Titel ein Volltreffer war. Ein Spiel wird bei dieser Aufzählung aber öfter mal ausgelassen, und das völlig zu Unrecht: The Suffering.

Das Spiel wurde von Surreal Software entwickelt und von Midway Games im Jahr 2004 für PlayStation 2, Xbox und PC veröffentlicht. Als Spieler übernehmt ihr die Rolle von Torque, einem Häftling, der wegen des Mordes an seiner Ex-Frau und den zwei gemeinsamen Kindern zum Tode verurteilt und auf die Gefängnisinsel Carnate Island verfrachtet wird. Kurz nach seiner Ankunft bricht dort aber im wahrsten Sinne des Wortes die Hölle los: Dämonische Wesen richten in der gesamten Haftanstalt ein blutiges Massaker an. Auch wenn die Ausgangssituation wahrlich nicht die beste ist, so bietet das Chaos Torque die Chance, von Carnate Island zu entkommen – und dabei das düstere Geheimnis um seine getötete Familie zu lüften.

The Suffering ist ein reinrassiges Action-Horrorspiel. Game Designer Richard Rouse III konzipierte es ganz bewusst als harten Kontrast zum klassischen, durch Resident Evil berühmten Survival-Horror. Als Torque leidet ihr nicht unter chronischem Munitionsmangel und müsst euch auch nicht zweimal überlegen, welches Monstrum ihr in die ewigen Jagdgründe schickt – hier wird alles gnadenlos über den Haufen geschossen oder im Nahkampf zerlegt. Dennoch hat Surreal Software einige frische Ideen ins Genre gebracht, die das Spiel bis heute zu einem absoluten Must-Play für Action- und Horrorfans machen.

Inspirationen bezogen Richard Rouse III und sein Team von Filmen wie The Shining und Sieben, zudem schauten sie sich eine Vielzahl von echten Gefängnisdokumentationen an. Spielerisch sollte es eine ambitionierte Mischung aus Half-Life und Silent Hill werden: (Ego-)Shooter trifft auf psychologischen Horror.

Das Grauen hat System: Das Gegnerdesign

Die wohl größte Stärke des Spiels ist das Gegnerdesign. Die Monster auf Carnate Island sind sowohl optisch als auch gameplaytechnisch an historische Hinrichtungsmethoden angelehnt und heben sich so erfrischend von der üblichen Genre-Standardkost ab. Für die kreative Umsetzung holten sich die Entwickler prominente Unterstützung: Niemand Geringeres als Stan Winston und sein Studio – die Meister, die unter anderem für die legendären Designs in Terminator, Alien, Jurassic Park, The Thing und Predator mitverantwortlich waren – stecken hinter den Kreaturen. Diese Hollywood-Expertise ist in jeder Sekunde spürbar.

Der Slayer: Repräsentiert den Tod durch Enthauptung, ähnlich einer wandelnden Guillotine. Diese Wesen haben Klingen statt Gliedmaßen und bewegen sich über Wände und Decken. (
Quelle: The Suffering Wiki)
Der Mainliner: Die „menschgewordene“ Giftspritze. Ein groteskes Wesen, dessen Körper mit chemischen Nadeln übersät ist. (Quelle: The Suffering Wiki)
Der Nooseman: Diese Gegner repräsentieren das Erhängen. Ihnen fehlt der Unterkörper und sie hängen im wahrsten Sinne des Wortes von der Decke, um unvorsichtige Spieler zu packen. (Quelle: The Suffering Wiki)

Drei Geister und die Frage nach der Schuld

Dazu kommen drei verschiedene Enden, die jeweils dynamisch durch eure eigene Spielweise ausgelöst werden. Verschont ihr NPCs und versucht den überlebenden Wärtern oder Insassen bei der Flucht zu helfen, so steigen auch die Chancen, zu einem positivien Abschluss der Geschichte zu kommen – soweit das bei dieser Prämisse überhaupt möglich ist.

Das Schöne an dem System: Eure Entscheidungen beeinflussen nicht nur das Ende, sondern in gewisser Weise auch schon rückwirkend den Start des Spiels. Wurdet ihr zu Unrecht verurteilt oder habt ihr eure Familie tatsächlich kaltblütig bestialisch ermordet? Das Spiel spiegelt euren moralischen Zustand direkt in Torques Vergangenheit wider.

Um euch bei diesen Entscheidungen zu unterstützen, werdet ihr im Laufe des Spiels von drei Geistern heimgesucht, die unterschiedliche Aspekte eurer Persönlichkeit ansprechen:

  • Da haben wir Dr. Killjoy, einen psychopathischen Psychiater, der euch analytisch-neutral begegnet.
  • Hermes Haight, ein ehemaliger Henker der Anstalt, der sich selbst in der Gaskammer umgebracht hat und euch permanent zum Mord anstacheln möchte.
  • Und Horace Gauge, ein hingerichteter Häftling, der seine Frau während eines Gefängnisbesuchs ermordet hat und nun tiefe Reue zeigt.

Technische Finesse vor ihrer Zeit

Ein weiteres cooles Feature, das zu dem Zeitpunkt noch gar kein Standard war und deshalb gerade auf der PlayStation 2 und der originalen Xbox umso beeindruckender wirkte: Ihr könnt auf Knopfdruck nahtlos zwischen der First- und Third-Person-Perspektive wechseln. Ich habe The Suffering damals zwar ausschließlich in der dritten Perspektive gezockt, aber allein die Möglichkeit des flexiblen Wechsels war für damalige Verhältnisse ungewöhnlich gut gelöst.

Und wo kann man es heute zocken?

Mittlerweile ist das Spiel auf regulärem Weg leider nur noch als physisches Exemplar für PlayStation 2 und Xbox erhältlich. Die Rechte an The Suffering liegen heute bei Warner Bros., die die Assets von Midway nach deren Bankrott im Jahr 2009 aufgekauft haben. Der Titel wurde zwar 2017 digital auf GOG veröffentlicht, ist dort mittlerweile aber leider wieder delisted worden.

Im Jahr 2005 erschien für dieselben Plattformen der Nachfolger The Suffering: Ties That Bind. Dieser blieb meiner Meinung nach zwar in allen Aspekten hinter dem tollen Erstling zurück, ist aber dennoch auch heute noch durchaus spielbar.

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