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„Über 103.000 Spiele“ für 139,90 Euro, so hat RetroWave seine G13 Ultra auf Instagram beworben. Was in der Kiste steckt, hat der Hersteller nie verraten, und das zugesagte Testgerät kam nie an. Die ganze Geschichte steht hier auf spielgefluester.net. Die Frage dahinter ist trotzdem berechtigt, und viele stellen sie gerade: Was braucht ein Rechner, der alte Konsolen sauber emuliert, und was kostet er?
Die kurze Antwort: Bis zur PlayStation 2 und zum GameCube weniger, als die meisten denken. Danach steigen die Anforderungen nicht gleichmäßig, sondern in Sprüngen. Und den größten Sprung macht nicht die Grafikkarte, sondern der Prozessor.
Warum die Anforderungen in Sprüngen steigen
Ein Emulator baut eine fremde Konsole in Software nach. Wie viel Leistung das kostet, hängt weniger vom Alter der Konsole ab als davon, wie exotisch ihre Hardware war. Ein SNES ist schlicht genug, dass selbst sehr genaue Emulatoren kaum Last erzeugen. Die PS2 hatte mit der Emotion Engine und ihren Vektoreinheiten schon eine Architektur, die der PC Befehl für Befehl übersetzen muss. Die PS3 ist der Extremfall: Ihr Cell-Prozessor mit mehreren Spezialkernen (SPUs) ist genau das, woran RPCS3 den Großteil seiner Rechenzeit verbringt.
Daraus folgen drei Regeln, die für fast alle Emulatoren gelten:
- Der Prozessor entscheidet, ob ein Spiel läuft. Wichtig sind vor allem Leistung pro Kern und moderne Befehlssätze (AVX2, bei der PS3 auch AVX-512).
- Die Grafikkarte entscheidet, wie schön es aussieht. In nativer Auflösung sind die meisten Emulatoren genügsam, erst beim Hochskalieren auf 1440p oder 4K wird die GPU gefordert.
- Ruckler beim ersten Start sind oft kein Leistungsproblem. Viele Emulatoren übersetzen Shader beim ersten Auftreten. Das hakt kurz und läuft beim nächsten Mal glatt.
Konsole für Konsole: was die Emulatoren verlangen
Die folgenden Angaben stammen aus den offiziellen Anforderungen der Projekte, Stand September 2026.
- NES, SNES, Mega Drive, Game Boy (RetroArch): Das schafft praktisch jeder PC. Mehr Leistung brauchst du nur für Extras: Run-Ahead, das die Eingabeverzögerung senkt, belastet den Prozessor, und aufwendige CRT-Shader wie crt-royale fordern die Grafik.
- PlayStation 1 (DuckStation): Die Mindestanforderung ist ein 64-Bit-Prozessor mit SSE4.1 und eine Grafik mit OpenGL 3.1 oder Vulkan 1.0. Hochskalierung ist die Hauptlast.
- Nintendo 64 (paraLLEl-RDP): Der bitgenaue Grafik-Emulator rechnet per Vulkan auf der GPU. Zwei- bis vierfache Auflösung ist moderat, achtfach braucht laut Entwicklern 5 bis 6 GB Grafikspeicher.
- PlayStation 2 (PCSX2): Das Projekt nennt drei Stufen. Für die höchste braucht es AVX2, sechs Kerne und eine Grafikkarte mit 8 GB. Mit jedem aktuellen Desktop-Prozessor ist die CPU-Seite erledigt.
- GameCube und Wii (Dolphin): Hoher Takt und hohe Leistung pro Kern zählen mehr als viele Kerne. Gerade gegenüber integrierter Intel-Grafik empfehlen die Entwickler eine eigene Grafikkarte.
- Wii U (Cemu): Die Grafik braucht Vulkan 1.2 oder OpenGL 4.5, empfohlen sind 8 GB Arbeitsspeicher.
- Switch (Eden und andere): Eden empfiehlt einen Ryzen 5 3600 oder Core i5-11400, eine GTX 1660 oder RX 5500 und 16 GB RAM. Technisch ist die Switch damit gar nicht die schwerste Konsole. Rechtlich ist sie die heikelste, mehr dazu unten.
- Xbox 360 (Xenia Canary): Hier sind AVX2 und eine Grafik mit DirectX 12 oder Vulkan Pflicht, empfohlen sind sechs Kerne. Laut Projekt sind AMD-Grafikkarten wegen Treiberfehlern nicht empfohlen. Die eigentliche Grenze ist aber die Kompatibilität: Viele Spiele laufen noch nicht sauber, egal wie stark der PC ist.
- PlayStation 3 (RPCS3): Das ist der eigentliche Prüfstein. Empfohlen sind sechs Kerne und zwölf Threads ab AMD Zen 3 oder Intel Comet Lake, 16 GB RAM im Dual-Channel und eine Grafikkarte ab RX 5000 oder RTX 2000. Intel-Grafik wird nicht unterstützt. AVX-512 bringt spürbar mehr: Auf Zen 4 haben die Entwickler rund 35 Prozent gemessen. Mehr als 70 Prozent der Spielebibliothek gelten inzwischen als spielbar.

Welche Konsole ab welcher Budgetstufe sinnvoll läuft. Grafik: elitegear.io
Drei Budgetstufen mit aktuellen Preisen
Die Preise sind die Bestpreise laut Geizhals, gemessen am 25. September 2026. Sie ändern sich täglich. Wenn du einzelne Teile tauschst, prüft der Build-Konfigurator von elitegear.io live, ob Sockel, Arbeitsspeicher und Netzteil noch zusammenpassen.
Stufe 1: ohne Grafikkarte, bis PS2 und GameCube (789,20 Euro)
Der Ryzen 5 8600G bringt eine Radeon 760M mit, die kleinere Schwester der 780M. Für alles bis zur PS1 und zum N64 reicht das auch hochskaliert. PS2 und GameCube laufen in nativer oder leicht erhöhter Auflösung, je nach Spiel. Der Prozessor selbst hat sechs Kerne mit AVX-512 und erfüllt damit sogar die RPCS3-Empfehlung. Leichtere PS3-Titel sind also drin, die integrierte Grafik bremst aber. Der Aufbau lässt Platz für eine Grafikkarte, die du später nachrüsten kannst.
| Teil | Modell | Preis |
| Prozessor | AMD Ryzen 5 8600G (mit Kühler) | 147,96 € |
| Mainboard | ASUS Prime B650M-R | 101,90 € |
| Arbeitsspeicher | Corsair Vengeance 16 GB DDR5-5600 (2 × 8 GB) | 284,99 € |
| SSD | Kingston NV3 1 TB | 139,90 € |
| Netzteil | be quiet! System Power 11 450 W | 44,66 € |
| Gehäuse | be quiet! Pure Base 501 Airflow | 69,79 € |
| Summe | 789,20 € |
Wichtig bei dieser Stufe: Der Arbeitsspeicher muss aus zwei Modulen bestehen. Die integrierte Grafik teilt sich den RAM, und mit nur einem Modul verliert sie deutlich an Leistung.
Stufe 2: Mittelklasse, bis Switch, Wii U und PS3 (1.301,03 Euro)
Das ist die Stufe mit dem besten Verhältnis. Der Ryzen 5 7600 erfüllt die RPCS3-Empfehlung und hat AVX-512. Die RTX 5060 übertrifft die Grafik-Empfehlungen von Eden und Xenia deutlich und schafft GameCube, Wii und PS2 auch in 1440p. Nvidia statt AMD habe ich hier bewusst gewählt, weil Xenia AMD-Karten ausdrücklich nicht empfiehlt.
| Teil | Modell | Preis |
| Prozessor | AMD Ryzen 5 7600 (mit Kühler) | 154,50 € |
| Mainboard | ASUS Prime B650M-R | 101,90 € |
| Arbeitsspeicher | Corsair Vengeance 16 GB DDR5-5600 (2 × 8 GB) | 284,99 € |
| Grafikkarte | Gigabyte GeForce RTX 5060 Eagle MAX OC 8G | 469,00 € |
| SSD | Kingston NV3 1 TB | 139,90 € |
| Netzteil | Corsair RM650e | 80,95 € |
| Gehäuse | be quiet! Pure Base 501 Airflow | 69,79 € |
| Summe | 1.301,03 € |
Stufe 3: für schwere PS3-Titel und viel Hochskalierung (1.851,97 Euro)
Der Ryzen 7 9700X hat acht Kerne und eine Zen-5-Architektur, die AVX-512 in voller Breite ausführt. Genau davon profitiert RPCS3 am meisten. Dazu kommen 32 GB RAM, eine RTX 5060 Ti und 2 TB SSD, denn PS3- und Switch-Abbilder sind schnell zweistellige Gigabyte groß.
| Teil | Modell | Preis |
| Prozessor | AMD Ryzen 7 9700X (tray) | 226,00 € |
| CPU-Kühler | be quiet! Dark Rock Pro 5 | 79,91 € |
| Mainboard | ASUS TUF Gaming B650-Plus WIFI | 141,90 € |
| Arbeitsspeicher | Crucial Pro 32 GB DDR5-6000 (2 × 16 GB) | 444,00 € |
| Grafikkarte | Inno3D GeForce RTX 5060 Ti Twin X2, 8 GB | 494,90 € |
| SSD | Samsung 990 EVO Plus 2 TB | 295,49 € |
| Netzteil | Corsair RM750e | 99,98 € |
| Gehäuse | be quiet! Pure Base 501 Airflow | 69,79 € |
| Summe | 1.851,97 € |

Was die drei Stufen heute kosten und wohin das Geld geht. Grafik: elitegear.io
Wo Mehrausgaben nichts mehr bringen
Auffällig ist der Arbeitsspeicher: 16 GB DDR5 kosten gerade rund 285 Euro, in Stufe 1 ist das mehr als ein Drittel des Gesamtpreises. Mehr als 16 GB verlangt aber kein Emulator in seiner Empfehlung. Das Geld für 32 GB kannst du dir sparen, solange du nicht nebenbei streamst oder aufnimmst.
- Grafikkarte über der Mittelklasse: Die höchste Stufe von PCSX2 verlangt 8 GB Grafikspeicher, Eden nennt eine RTX 3060 als Optimum. Eine RTX 5070 oder schneller macht Emulation kaum besser, nur höher aufgelöst. Das lohnt sich erst ab einem 4K-Fernseher.
- X3D-Prozessoren: Der Ryzen 7 9800X3D kostet heute 384,44 Euro, also 158 Euro mehr als der 9700X. Für moderne PC-Spiele ist der Extra-Cache stark. Für Emulation würde ich den Aufpreis nicht zahlen: RPCS3 hängt vor allem an AVX-512 und der Kernzahl, und die bringen beide mit.
- Intel für PS3-Emulation: Die aktuellen Core-Ultra-Prozessoren haben kein AVX-512. Für RPCS3 ist AMD derzeit die bessere Wahl, für alle anderen Konsolen ist der Hersteller egal.
Checkliste für Fertiggeräte
Wer lieber fertig kauft als selbst baut, sollte sich vom RetroWave-Fall eines merken: Ein Gerät ohne technische Angaben ist kein Schnäppchen, sondern ein Risiko. Vor dem Kauf prüfen:
- Sind Prozessor und Grafik mit genauem Modell genannt? „Leistungsstarker Chip“ reicht nicht.
- Unterstützt der Prozessor AVX2? Ohne das laufen Xenia und die höchste PCSX2-Stufe gar nicht, RPCS3 schlecht.
- Steckt der Arbeitsspeicher im Dual-Channel? Bei Mini-PCs mit nur einem Modul ist das ein häufiger Sparpunkt.
- Sind Spiele vorinstalliert? Dann ist Vorsicht angebracht, das ist in aller Regel nicht legal.
- Gibt es einen Händler mit Adresse in der EU und ein echtes Rückgaberecht?
Und rechtlich?
Emulatoren selbst sind in Deutschland und Österreich nicht verboten. Heikel sind BIOS, Firmware, Schlüssel und Spiele: Die sollten von deinen eigenen Geräten und Datenträgern stammen. Wer dafür einen Kopierschutz umgeht, verstößt gegen § 95a UrhG in Deutschland oder § 90c UrhG in Österreich. Der BGH hat 2014 bestätigt, dass Schutzmaßnahmen bei Videospielen darunter fallen. Bei der Switch ist das besonders brisant: Yuzu wurde 2024 nach einem Vergleich mit Nintendo eingestellt, Ryujinx kurz danach. Im Februar 2026 ließ Nintendo per DMCA über ein Dutzend Nachfolgeprojekte von GitHub entfernen. Das ist keine Rechtsberatung, aber ein guter Grund, bei den eigenen Spielen zu bleiben.
Fazit
Für die Klassiker bis zur PS2 und zum GameCube brauchst du keinen Gaming-PC. Ein aktueller Prozessor mit integrierter Grafik für knapp 800 Euro reicht, und davon ist der Arbeitsspeicher gerade der größte Posten. Ab Wii U, Switch und PS3 lohnt sich die Mittelklasse um 1.300 Euro, und die deckt fast alles ab. Mehr auszugeben ist nur für schwere PS3-Titel und große Fernseher sinnvoll. Und wer ein Fertiggerät kauft, sollte wenigstens wissen, was drinsteckt. Das ist mehr, als RetroWave je verraten hat.
Über den Autor: Stefan Haun betreibt elitegear.io, eine Seite für Kaufberatung zu PC-Hardware mit täglicher Preismessung und einem Build-Konfigurator.
