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Indie-Ecke · Interview

PROCEDURE ZERO - Interview mit Łukasz Twardowski von DELANIVO GAMES

PROCEDURE ZERO ist ein Stealth-Game des polnischen Entwicklers DELANIVO GAMES, das am 12. November auf Steam erscheinen wird. Ich durfte mit Łukasz Twardowski, DELANIVO GAMES einzigem Mitarbeiter, sprechen und ihn zu PROCDURE ZERO und ein paar anderen Themen ausfragen.

PROCEDURE ZERO - Interview mit Łukasz Twardowski von DELANIVO GAMES

Am 12. November ist für Łukasz Twardowski ein besonderer Tag. Dieses Datum markiert den Release seines ersten Spiels: PROCEDURE ZERO. Der Spieler ist dabei, ein Komplott in einem Gefängnis aufzudecken, wird dann aber selber gefangen genommen und soll in eben diesem Knast von der Bildfläche verschwinden. Ihr benötigt Schleich-Skills und gute Connections zu anderen Insassen, um aus eurer Gefangenschaft zu entkommen und dabei eine Verschwörung aufzudecken. Die Steam Detail-Seite beschreibt das Projekt folgendermaßen:

Du bist im Gefängnis gelandet, weil du einen Betrug aufgedeckt hast. Häftlinge verschwinden still und leise, und du bist der Nächste. Schleich an den Wärtern vorbei, tausch Zigaretten gegen Informationen, prügle dich, wenn es sein muss, und übernimm das Gefängnis, bevor sie dich holen.

WIE DU HIER GELANDET BIST

Du warst Wirtschaftsprüfer. Bei einer Prüfung bist du in den Unterlagen auf etwas gestoßen, das du nie hättest sehen sollen, und hast eine Kopie gemacht. Ein paar Tage später sitzt du im Gefängnis. Es gibt kein Urteil, und in deiner Akte steht nicht einmal dein Name, nur das Wort ZERO.

HIER VERSCHWINDEN MENSCHEN

Ab und zu geht im Block das Licht aus. Wenn es wieder angeht, ist eine der Pritschen leer, und den Mann, der dort geschlafen hat, sieht niemand wieder. Du bist der Nächste auf der Liste.

SO SPIELT ES SICH

Es ist ein Stealth-Spiel aus der Ego-Perspektive. Du beobachtest die Wärter, lernst, wann sie wohin gehen, und wartest auf den richtigen Moment. Du schaltest ein Radio ein oder zündest einen Karton an, und wenn ein Wärter nachsehen kommt, schleichst du dich an und betäubst ihn mit dem Schlagstock. Du packst ihn an den Beinen, schleifst ihn in einen leeren Raum und schließt ihn ein. Aber nicht alles lässt sich leise erledigen. In manchen Missionen musst du jemanden verprügeln, und wenn du eine fremde Zelle betrittst, geht ihr Insasse mit den Fäusten auf dich los. Du kannst auch selbst mit jedem Häftling eine Schlägerei anfangen. Unterwegs sammelst du Dokumente, aus denen du erfährst, was in diesem Gefängnis wirklich vor sich geht.

ZIGARETTEN UND MÜNZEN

Im Gefängnis bezahlt man mit Zigaretten und Münzen. Damit bekommst du Informationen, Gefallen und die Hilfe anderer Häftlinge. Fast jeder will etwas von dir. Wenn du dich an eine Abmachung hältst, gewinnst du einen Verbündeten.

ÜBERNIMM DAS GEFÄNGNIS (VOLLVERSION)

Mit jeder Mission übernimmst du einen weiteren Teil des Gefängnisses. Auf der Karte siehst du, welche Bereiche schon dir gehören. Mit der Zeit findest du Leute, die dir helfen herauszufinden, wer hinter dem Verschwinden der Häftlinge steckt, und hier rauszukommen.

Łukasz hat PROCEDURE ZERO (PZ im Interview) komplett alleine entwickelt und möchte mit dem Titel den Grundstein für eine Spieleentwickler-Karriere legen. Ihr könnt euch die Demo hier herunterladen und das Solo-Projekt für über 20 Minuten testen.

PROCEDURE ZERO - Interview mit Łukasz Twardowski von DELANIVO GAMES

spielgefluester.net: Worum geht es in PROCEDURE ZERO und wie ist dir die Idee zum Spiel gekommen? Haben dich andere Spiele inspiriert oder beeinflusst?

Łukasz: Du spielst einen Auditor, der in Dokumenten etwas entdeckt hat, das er nicht hätte sehen sollen, und dafür im Gefängnis landet. ZERO hat dort nichts, nicht einmal einen Namen in den Akten. Im Gefängnis verschwinden still und leise Häftlinge, und er könnte der Nächste sein. Schritt für Schritt übernimmt er das Gefängnis: Er schleicht an den Wachen vorbei, kauft Informationen gegen Zigaretten und Münzen, gewinnt Verbündete und findet heraus, was hier wirklich passiert. Von der Atmosphäre her stehen mir das erste Thief, Dishonored und Papers, Please am nächsten. Mir geht es um diese Anspannung, wenn eine Wache einen Meter an dir vorbeigeht.

PROCEDURE ZERO - Interview mit Łukasz Twardowski von DELANIVO GAMES

spielgefluester.net: Welche Gameplay-Mechaniken zeichnen das Spiel aus? In welches Genre würdest du PZ stecken?

Łukasz: PZ ist ein Stealth-Spiel mit Rätseln aus der Ego-Perspektive. Am wertvollsten sind Informationen, denn mit ihnen planst du deine nächsten Schritte. Töten kann man niemanden, Wachen lassen sich höchstens betäuben und verstecken. Das ganze Gefängnis übernimmst du im Stillen, ohne dass die Wachen etwas merken. In der Vollversion kommen noch Absprachen mit Häftlingen und Kantors Laden dazu, in dem du Dietriche kaufen kannst.

spielgefluester.net: Wie lange wird man für einen Durchlauf ungefähr brauchen und gibt es verschiedene Enden oder Lösungswege, damit man PZ gerne öfter durchspielt?

Łukasz: Die Demo dauert etwa 25 Minuten und umfasst die ersten beiden Missionen. In der Vollversion übernimmst du Mission für Mission weitere Teile des Gefängnisses, bis zum Finale. Es gibt ein Ende und eine Lösung, aber viele Nebenmissionen, deshalb kann jeder Durchlauf anders aussehen.

spielgefluester.net: Du hast PZ komplett alleine entwickelt. Was waren die größten Herausforderungen bei der Entwicklung? Und was hat dir am meisten Spaß gemacht?

Łukasz: Am schwierigsten sind die Wachen. Jede hat ihre eigene Runde und reagiert auf Geräusche, Licht und offene Türen, und alles muss in engen Zellen und Gängen funktionieren. Jetzt kommt noch der Release dazu: Ich entwickle das Spiel und zeige es gleichzeitig den Leuten, und das ist eine ganz eigene, große Arbeit. Am meisten Spaß macht es mir, wenn etwas endlich so aussieht, wie es soll, und ich merke, dass sich die Arbeit im Spielgefühl niederschlägt.

PROCEDURE ZERO - Interview mit Łukasz Twardowski von DELANIVO GAMES

spielgefluester.net: Ein bemerkenswerter Punkt ist die Lokalisierung in über 20 Sprachen. Wie hast du das geschafft?

Łukasz: Übersetzungen und Stimmen sind mithilfe von KI entstanden, denn für eine einzelne Person ist das der einzige Weg zu so vielen Sprachen. Danach habe ich Hinweise von einigen Streamern und Spielern aus verschiedenen Ländern bekommen, die mir sehr geholfen haben, alles zu verbessern. Komplett vertont ist das Spiel auf Englisch, Polnisch, brasilianischem Portugiesisch, Russisch, Chinesisch und Japanisch. Die übrigen Sprachen gibt es mit Texten und Untertiteln.

spielgefluester.net: Ist PZ für dich ein Hobbyprojekt, bei dem Wirtschaftlichkeit keine Rolle spielt und du es nur aus Freude an der Sache umgesetzt hast, oder möchtest du damit ein Bein in die Gaming-Branche setzen und eventuell weitere Spiele veröffentlichen und damit dein Brot verdienen?

Łukasz: Für die Schublade ist das kein Hobby, ich würde gern davon leben. In meinem Leben gibt es gerade zwei Dinge: dieses Spiel und meine Familie. Ich habe zwei Töchter, die das bisher tapfer ertragen. Ich hatte ein Angebot von einem Publisher, wollte mit dem Spiel aber lieber direkt zu den Spielern kommen.

spielgefluester.net: Worauf bist du bei PZ besonders stolz?

Łukasz: Auf die Karte des Gefängnisses. Ich habe fast zwei Jahre an ihr gearbeitet, und das ganze Spiel baut auf ihr auf.

PROCEDURE ZERO - Interview mit Łukasz Twardowski von DELANIVO GAMES

spielgefluester.net: Wie lang hast du effektiv an PZ gearbeitet?

Łukasz: Mit der Karte des Gefängnisses habe ich vor fast zwei Jahren angefangen, am ganzen Rest des Spiels arbeite ich seit Anfang dieses Jahres. Jeden Tag, mit vollem Einsatz.

spielgefluester.net: Wie empfindest du die aktuelle Zeit als Indie-Entwickler in der Gaming-Branche? Klassische Datenträger werden immer weiter vom Markt gedrängt und ab der nächsten Konsolengeneration wohl zumindest bei Sony und Xbox gar nicht mehr stattfinden, AI unterstützt Studios bei der Programmierung, immer wieder werden Mitarbeiter entlassen - würdest du sagen, es ist eine Chance für Indie-Studios, sich mehr in den Fokus zu rücken?

Łukasz: Für kleine Entwickler sehe ich darin eine Chance. KI ist nur ein Werkzeug, und so sollte man sie auch behandeln: Das Denken bleibt beim Menschen. Meine Basis ist die Unreal Engine 5, und KI nutze ich darin als Hilfe. Dadurch kann eine einzelne Person ein Spiel in über 20 Sprachen machen. Dass Spiele heute digital sind, hilft auch, denn ich kann mein Spiel selbst direkt auf Steam veröffentlichen.

spielgefluester.net: Und zum Abschluss: was spielst du zur Zeit und was sind deine drei Lieblingsspiele?

Łukasz: Ehrlich gesagt spiele ich praktisch nichts mehr, seit ich vor über vier Jahren angefangen habe, Spieleentwicklung zu lernen. Das liegt auch daran, dass sich meine Prioritäten verschoben haben, seit meine Töchter da sind. Andererseits spiele ich jeden Tag, denn ich entwickle ja ein Spiel und spiele es ständig. Auf drei kann ich mich nicht festlegen, aber am liebsten erinnere ich mich an Counter-Strike, Hogwarts Legacy, Cities: Skylines, Age of Empires, PUBG: Battlegrounds und Elite Dangerous.

spielgefluester.net: Vielen Dank für das Interview!

P
PatrickBetreiber von spielgefluester.net. Spielt seit Jahrzehnten, sammelt, testet und schreibt über Retro und Neues.

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